Post von * Guinevere *

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Post von * Guinevere *

Beitrag  morgana72 am Sa 16 Okt 2010, 16:21

POST AUS GUINEVERES NEUEM ZUHAUSE:

Guinevere - im Auftrag der Luftsicherung unterwegs...

*

„Jeder Vogel, jede Fliege, jedes Blatt im Wind und überhaupt alles was
flatternd durch die Lüfte rauscht ist einzig allein dazu erfunden
worden, um von mir gejagt zu werden", sagte Guinevere mir gleich an
unserem ersten Tag. Ich dachte mir, dass sie vielleicht ein wenig zu
Übertreibungen neigt, und lächelte zufrieden darüber, dass das kleine
Geschöpf nun angekommen ist und gemeinsam den Weg mit mir gehen wird.
Anfangs war sie auch so aufgeregt, dass sie manchmal sogar vergaß, was
ihr eigentlicher Auftrag ist: SPÄHEN und JAGEN! Ich war erstaunt
darüber, wie gut sie gehorchte. Ein Pfiff - und Fräulein Pippi-Lotta
stand neben mir. So fuhren wir täglich gemeinsam in Hamburgs schönste
Grüngebiete und liefen und tobten so munter vor uns her. Das war schön
entspannt, denn an der Leine wollte Lady Guinevere nicht so recht gehen
- sie zog, als ob der Teufel hinter ihr her wäre. So übten wir eben
einmal täglich Leine (stress pur) und den Rest durfte sie laufen...


*

.bis eines Tages, aber das soll Gwini selbst berichten...
.Ja also, ich weiß gar nicht was sie meint? Vielleicht der Tag, an
dem ich es im Gebüsch so schön fand und ich auf einmal von einer
Heerschar Vögel umgeben war?
Na ja, wenn sie das meint... Ich war also völlig aufgeregt, als ich
sah, dass hier ein Flugobjekt nach dem anderen durch die Gegend
brauste. Ich musste mich völlig konzentrieren, dass ich auch allen
Einhalt gebieten konnte. Zur Verstärkung nahm ich gleich noch meinen
neuen Freund Thilo mit und dann ging es los...

.In weiter Ferne hörte ich irgendein Gepfeife, aber darauf konnte ich
in diesem Augenblick nichts geben, denn mein Auftrag war ja noch nicht
erfüllt und irgendwie beruhigte mich das auch, weil ich wusste ja, dass
die Frau, bei der ich jetzt gerade wohne, mir damit sagen will: „Ich
bin da und warte auf dich" - das tat irgendwie gut. Nach getaner Arbeit
kamen Thilo und ich ja auch wieder zurück - und Tatsache, sie stand
noch da. Da habe ich mich aber gefreut und wusste gar nicht, warum ich
nicht auch freudig begrüßt wurde. Ich musste sofort an die Leine und ab
nach Hause...:-(

Wie bändigt man einen Wildfang?
Mein Gott hatte ich Angst, dass Gwini Richtung Straße rennt. Meine
Gelassenheit war wie weggeblasen. Ich weiß nicht genau wie lange sie
weg war - Thilos Frauchen behauptet zehn Minuten und ich dachte
drei...egal, es war lange genug - aber ich war froh, dass sie wieder
kam. Was sich allerdings kurze Zeit später herausstellte war, dass sie
sich bei dem Ausflug das Auge verletzt hatte: Hornhaut-Riss. Jetzt hieß
es eh erstmal Leinenpflicht. Der versuchte ich ein wenig auszuweichen
und ließ Gwini in riesigen Garten meiner Freundin laufen. Wir liefen
mit und beobachteten den kleinen Wirbelwind freudig. Doch einmal den
Kopf kurz zur Seite gedreht und Gwini ging ab über den Zaun, der Vogel
in Nachbars Garten wollte es ja nicht anders haben... Nur soviel dazu:
Eine große Straße grenzt an das Grundstück... wie man sich in diesem
Moment fühlt, dass kann sich wahrscheinlich jeder denken.
Ich fühlte mich plötzlich völlig überfordert und hatte das Gefühl, dass
ich das erste Mal einen Hund bei mir habe. Und das, obwohl ich die
letzten sechs Jahre mit meiner Pointer-Hündin Cleo gelebt habe. Ich
dachte, dass ich die Pointer-Erfahrene schlechthin bin... jetzt weiß
ich nicht mal mehr, wie man Pointer schreibt...;-)

Ponter? Pöintehr? poynter?????

Gemeinsam einsam...
Ich finde es bei meinem Frauchen immer besser. Sie ist jetzt nicht mehr
so gestresst. Ich muss auch schon nicht mehr so ziehen, sie ist
wesentlich ruhiger am anderen Ende der Leine. Vielleicht liegt das
daran, dass wir uns jetzt einmal die Woche mit Tina treffen. Sie ist
eine Hundetrainerin (obwohl ich ja finde, dass sie eine
Menschentrainerin ist - das wollte ich nur mal sagen!). Wir machen
immer Übungen, ich weiß zwar noch nicht genau was daran toll sein soll
- außer den vielen Leckerlies - weil man draußen ja viel tollere Dinge
tun könnte. Aber ich mache halt mit, weil mein Frauchen freut sich
immer so toll, wenn ich was mache. Und ich freue mich immer wenn sie
sich freut - wir werden langsam aber sicher richtige Freunde...


.oder zusammen stark?
Ja, so ist es, unser gemeinsames Training wirkt ein wenig wie ein
Spiegel. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ICH Therapie mache. Ich
lerne wieder ganz neu - wie ich Gwini beibringen kann, was ich von ihr
möchte. Jetzt weiss ich, dass es Pointer gibt und Pointer und
Pointer... - keiner ist wie der andere, so wie kein Mensch einem
anderen gleicht. Ich habe mich entschlossen mit diesem quirligen
kleinen Mädchen ein gutes Leben zu haben. Ich dachte immer, dass ich
die Hundesprache perfekt beherrsche - aber ich kannte nur Cleos
Sprache, dieses Eingeständnis war bitter, jedoch auch wichtig. So lerne
ich jetzt neue Regeln und Gwinni ebenso - und ich kann sagen, wir sind
auf einem guten Weg...

Liebesgeflüster...
Also, mein Frauchen ist irgendwie anders geworden. Ich bin so froh,
weil ich muss ihr jetzt nicht mehr dauernd sagen was wir zu tun haben.
Ich kann jetzt auch mal zur Ruhe kommen. Nur mit den Flugobjekten, da
sind wir noch nicht einer Meinung. Ich hoffe ja noch immer darauf, dass
sie endlich mal mitläuft... aber stattdessen: Heute war sie sogar
plötzlich weg. Wir waren in dem Wald mit dem hohen Zaun und ich flitzte
los - kein pfeifen, kein rufen - da wurde ich doch unruhig. Hilfe,
dachte ich mir, ich will zu meinem Frauchen. Ich suchte sie überall und
war schon ganz panisch... puh, zum Glück fand ich sie hinter einem
Baum. Jetzt passe ich aber besser auf...


*

Guinevere ist jetzt fast zweieinhalb Monate bei mir. Wenn man die
ganzen Umstände betrachtet, dann macht sie alles wirklich super
(manchmal frage ich mich jedoch, wie soviel Dickkopf in so einen
kleinen Hund passt...;-) Viele meiner Freunde fragten mich. „Warum denn
wieder ein Jagdhund?" Ich kann es nicht wirklich beantworten - das
freundliche Wesen, die Sensibilität und auch die Eigenständigkeit sind
es vielleicht, die mich wieder zu einer Pointer-Kumpanin haben werden
lassen. Und „wer bereit ist mit einem Hund zu leben, der muss sich
einlassen und erziehen und kümmern - das macht ein Leben mit Hund auch lebenswert. Wer nur etwas sucht, das weich, warm und kuschelig - ohne Bedürfnisse ist, der sollte auf ein Stofftier ausweichen", das sage ich
dann den Menschen, die denken, dass ein Hund nur ein nettes Add-on ist!
Gwini und ich lernen gerade fürs Leben - für ein wundervolles Leben -
und jeden Tag kommen wir dem ein Stückchen näher! In diesem Sinne:

Danke für Guinevere und die Bereicherung, die sie ist.







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