Aus dem Hundetagebuch 2er spanischer Aussiedler (Tora & Teddy - ehemals Notfell "FUJI")

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Aus dem Hundetagebuch 2er spanischer Aussiedler (Tora & Teddy - ehemals Notfell "FUJI")

Beitrag  Gast am So 09 Jun 2013, 19:01

Wir Zwei, Tora und Teddy (Fuji) haben einen Auszug aus unserem Tagebuch zusammengestellt damit ihr lesen könnt, was aus uns geworden ist. Natürlich hatte es unser Herrchen zunächst ins falsche Forum gestellt, was er erst beim Sommerfest von HPiN erfuhr.
Wir beide hatten wohl „tierisches“ Glück in eine liebevolle Familie aufgenommen zu werden und wir wünschen jedem der noch in Spanien bleiben muss dasselbe Glück. Vielleicht kann sich der Eine oder Andere aufgrund unserer Erfahrungen doch entscheiden, einen Hund vor dem tristen Dasein hinter Gittern oder gar vor dem Ende in einer Tötungsstation zu retten und bei sich aufzunehmen.
Wie wir erfuhren, hatte unser Frauchen und Herrchen vor uns eine 15 Jahre alte Hundedame mit dem Namen Lisa. Lisa wollte ihr Leben lang gern eigene Kinder haben, doch leider klappte es irgendwie nicht mit dem Kinder- ääh Hundewunsch. Nun überlegte sich ihr Herrchen, dass sie vielleicht ein Kind großziehen bzw. „ausbilden“ könne. Lisa musste wohl nicht gerade angetan gewesen sein als sie von ihren zukünftigen Aufgaben hörte und entschied sich kurzfristig noch vor unserer Ankunft, über die Regenbogenbrücke zu gehen. Schade, wir hätten sie so gern kennengelernt.

Jedenfalls rief unser Herrchen bei HiN an und entschied sich, mich (Tora) aufgrund meines süßen Passbildes auf der Welpen-Vermittlungsseite, aus meiner Auffangstation zu holen. Ja, ihr habt richtig gehört! Er entschied sich aufgrund des 1. Telefonates mit der Chefin von HiN, mich dort persönlich in Spanien abzuholen. Vermutlich wusste er nicht, was da auf ihn zukam doch das sollte mir egal sein denn in Deutschland wartete mein eigenes Sofa auf mich.
Die HiN-Chefin erklärte, dass zwar ein Transport für Anfang November 2012 geplant sei, aber es noch an einem Freiwilligen fehle der bereit wäre die Strecke von ca. 2.600 km bis Mazaron hinunter und wieder nach Bad Wimpfen zu fahren. Ein Fahrer, Thomas, wäre bereits gefunden. Aufgrund der langen Fahrt musste aber ein 2. Fahrer besorgt werden denn die Rücktour mit 27 Hunden musste an einem Stück erfolgen und dauert ca. 24 Stunden. Man erklärte meinem Herrchen, dass die Situation mit den Hunden in Spanien sehr mitreißend wäre und man wirklich hart gesotten sein müsse, nicht alle Hunde mitnehmen zu wollen. Doch mein Herrchen ließ sich von Geschichten über eingesperrte, mitleiderregende und heulende Hunde nicht abschrecken. Er hatte den festen Vorsatz, mich hier aus meinem Zwinger in Valencia abzuholen und das war auch gut so sonst würde ich vermutlich heute noch hier sitzen, wie mein Bruder Coto der auf der Notfell-Seite zu finden ist. Wie ich aber hörte, tut sich eine Pflegestelle für ihn auf. Ich hoffe, dass er auch bald ein schönes Zuhause hat und kennenlernen darf, wie schön es ist im Rasen zu toben statt auf dem Sandplatz bei uns in Valencia.

Nachdem was ich so hörte fuhren Thomas und Ralf (Ralf ist mein Herrchen) am 06.11.2012 zur sehr unchristlichen Uhrzeit 01.00 Uhr in Bad Wimpfen los. Der Wagen war vollgepackt mit Hundefutter, Babymilch f. Welpen, Decken, Fress- u. Trinknäpfen sowie Käfigen für den Rücktransport der Hunde. Dann hatte Thomas noch eine blendende Idee für alle Hunde die den kommenden Winter in Spanien bleiben mussten. Er hatte einen Anhänger mit 600 kg Stroh beladen und ihn von seinem Zuhause in Lüneburg mit nach Bad Wimpfen gebracht. Auf dem Stroh können nun meine Freunde die in Spanien bleiben mussten wenigstens etwas wärmer und trockener liegen. Mein Herrchen hatte auch noch Dämmplatten besorgt die beim Hausbau übrigblieben. Die sind wunderschön warm wenn man auf ihnen liegt und die Hunde von Vincenta haben es diesen Winter sicherlich schön warm am Po.
Na jedenfalls ging nach meinem Wissen die Fahrt zunächst nach Barcelona wo Thomas und Ralf zunächst in einem Motel übernachteten. Bis dahin sind es etwa 2000 km die an einem Stück gefahren werden mussten. Sie kamen so gegen 17.00 Uhr, also nach 16 Stunden Fahrzeit dort an und waren wohl ziemlich müde. Mein Herrchen wollte mit Thomas noch ein Bierchen „zischen“, um danach ins Bett zu fallen; wie ich aber hörte, fiel das Bierchen zugunsten des Bettes aus und die beiden schliefen durch bis es nächsten Morgen um 07.00 Uhr früh nach einem Kaffee und einer Zigarette schließlich weiter ging. Auf dem Weg nach Valencia wo die nächste Übernachtung bei Vicenta und ihrem Mann geplant war. Auf dem Weg dorthin machten wir noch 2 Mal Halt um unsere Hilfsmittel zu verteilen.
Vicenta und ihr Mann hatten die beiden Fahrer herzlichst empfangen hörte ich später von Teddy. Teddy war ein sogenanntes „Notfell“ weil er blind ist. Vermutlich wäre er in einer Tötungsstation gelandet wenn ihn Vicenta nicht in ihrer Pflegestelle aufgenommen hätte, wo er mit 6 anderen Hunden und 5 Katzen ein wirklich schönes Leben genießen durfte. Aber es war eben nur eine Übergangslösung denn Vicenta muss ja auch wieder andere Hunde für die Reise nach Deutschland vorbereiten. Teddy hatte jedenfalls all seinen Charme spielen lassen als er Ralf sah. Teddy meint zwar, dass es umgekehrt war – aber egal. Das Ergebnis zählt oder wie heißt es: „Der Zweck heiligt die Mittel.“ Wie mir mein Herrchen erzählte hatte er bereits Teddy auf der Notfell-Seite von HpiN „kennengelernt“ und hatte auch schon Mailkontakt mit Beatrix, die vereinstechnisch für ihn zuständig war. Allerdings war mein Herrchen nicht sicher, ob er mit dem Handycap von Teddy klar kommt und deshalb entschied er sich zum Glück dafür, mich aus Spanien mit nach Hause zu nehmen. Noch Mal Schwein gehabt – oder besser gesagt „Hund gehabt“; oder am allerbesten: „2 Hunde gehabt“.

Noch am Abend bei Vicenta entschied sich mein Herrchen Teddy, ein neues Zuhause zu geben. Da Teddy sowieso schon auf der Liste zur Vermittlung stand wurde kurzerhand der „Fahrplan“ umgestellt. Allerdings war keine Hundebox im Auto mehr frei, aber aufgrund Teddys Handycap war es sowieso nicht ratsam, ihn in eine Box zu den anderen Hunden zu sperren meinte Vicenta, da er sich zu sehr aufregen würde bei so vielen Hunden. Jedenfalls entschied die Chefin von HpiN sofort, dass Teddy mit nach Deutschland durfte und Vicenta veranlasste sofort alles Weitere, ohne zunächst darüber nachzudenken, dass er doch sehr ans Herz gewachsen war.

Da die Fahrt von Thomas und Ralf noch weiter Richtung Süden nach Mazaron ging, musste Teddy noch etwas auf seine „Mitfahrgelegenheit“ warten. Vicenta hatte damit noch Zeit, sich gebührend von ihrem Pflegling zu verabschieden. Sie schreibt regelmäßig Emails an mein Herrchen und will immer wissen, wie es ihm geht. Vicenta ist eben eine Seele von Hundemensch. Das kann ich deshalb so sicher sagen, weil sie schließlich 7 Hunde und nur 5 Katzen hat. Muss sie doch Hunde lieber mögen, oder? Und Menschen hat sie nur einen einzigen zuhause.
Am nächsten Tag trafen Herrchen und Thomas dann in Mazaron bei Tom und seiner Frau Sue ein. Die beiden sind nicht nur herzenslieb zu Tieren sondern auch zu den Vorgenannten. Sie stellten ihre Ferienwohnung für die Übernachtung zur Verfügung; und nicht nur das: Sue machte einen riesigen frischen Salat als Vorspeise und eine Lasagne zum Abendessen sowie einen Nachtisch von dem mein Herrchen noch heute schwärmt. Leider verrät er mir nicht, was es war denn ich hätte auch gern einmal davon genascht – aber vermutlich weiß er es selbst nicht genau, was es war oder wie man es zubereitet. Er sagte nur, dass es dick macht und ich meine Figur nicht halten würde wenn ich davon fresse. Na gut, wenn´s der einzige Grund ist dann akzeptiere ich es. Aber ein wenig gekostet hätte ich doch gern.
Was Sue nicht wusste; mein Herrchen isst keinen Käse, und Lasagne besteht nun einmal zum Teil aus Käse. Aber Herrchen ließ sich nicht lumpen. Er kostete das 1. Mal in seinem Leben diese köstliche Speise und tatsächlich holte er sich sogar noch einen Nachschlag. Tom´s Frau glaubte ihren Augen nicht zu trauen, denn Thomas hatte ihr vorher in Englisch erklärt, dass Käse so gar nicht Herrchens Ding sei.

Nach dem sich alle „sattgefressen“, ich meine natürlich sattgegessen hatten und auch einige Biere und Weine verdrückt wurden, war es dann an der Zeit, das Bett aufzusuchen. Zum Glück gab es 2 Zimmer denn mein Herrchen schnarcht unwahrscheinlich laut. Das sagte Thomas zumindest. Ich finde, dass Teddy fast genauso laut schnarcht. Damit fällt Herrchen nicht mehr ganz so auf, denn wir schlafen jetzt alle zusammen in einem Schlafzimmer in meinem neuen Zuhause.

Am nächsten Morgen dann wurden die letzten Hilfsgüter, und vor allem die Welpenmilch bei Tom´s Hundestation ausgeladen. Tom scheint eine besondere Liebe für Welpen zu haben. Thomas und Ralf bauten die Hundeboxen zusammen und dann wurde schon mit dem Einladen der Hunde begonnen. Das ging, als hätten die beiden nie etwas Anderes im Leben gemacht. Thomas Hund „Tina“ allerdings meinte vor der langen Fahrt noch einen Hasen jagen zu müssen. Vermutlich hatte man ihr erzählt, dass es auf der langen Fahrt nichts zu fressen geben würde obwohl das ja eigentlich ein „Betriebsgeheimnis“ war. Das war eine Aufregung sage ich euch. Alle hatten Angst, dass sie weglaufen würde, dabei wollte sie doch nur ihr „Doggybag“ für Unterwegs fangen.
Als dann „Tina“ eingefangen war ging´s schließlich los Richtung Heimat mit Zwischenstation in Valencia wo ich schließlich auch mit zustieg – oder besser zugestiegen wurde. Da ich nicht wusste, was mich erwarten würde und ich ziemliche Panik hatte, wehrte ich mich mit allen 4 Füßen gegen das Einsperren in die Hundebox. Aber Nichts half. Schließlich packte man meine Box zu den anderen, bereits „bewohnten“ Boxen im Auto. Im Gegensatz zu meinem vorherigen Zuhause war es hier erstaunlich ruhig. Bis auf „Tina“ die immer etwas zu Meckern hatte und das obwohl mein Herrchen immer für ausreichend Wasser sorgte; manchmal sogar so viel Wasser, dass es schon ganz schön feucht in unserer Hundebox wurde. Aber wahrscheinlich war sie noch wegen des verpassten Hasens sauer. Später sagte man nach unserer Ankunft in Bad Wimpfen, wir hätten „eingepinkelt“. Das stimmt aber überhaupt nicht sage ich euch. Alles Lüge! Es war nur das Wasser aus den Näpfen dass vermutlich bei Thomas Fahrweise über den Rand lief.

Nachdem ich mich dann wieder beruhigt hatte ging es weiter zur Autobahn nach Barcelona. Zwischendurch stoppten wir nochmal an einem Rastplatz wo wir 2 andere Hunde aufnahmen. Einer von ihnen war mein heutiger „Mitbewohner“ Teddy. Der allerdings durfte vorn bei Herrchen sitzen und rausgucken. Das dachte ich zumindest. Erst später in Bad Wimpfen erfuhr ich, dass er blind ist. Frauchen sagt jetzt immer, dass ich ein Blindenführhund wäre. Ich weiß zwar nicht was das ist, aber ist ja auch egal.

Foto von der Fahrt

Von dem Rastplatz aus ging es dann mit kleinen Unterbrechungen an diversen Mautstationen und Tankstellen nach Deutschland. Es war etwa 16.00 Uhr als Teddy zustieg. Es wurde langsam dunkel und alle Mitfahrenden legten sich zur Ruhe. Selbst Tina sagte kein Wort mehr. War auch besser so denn sie hat eine sehr laute Stimme die mich bestimmt am Schlafen gehindert hätte. Dann wurde es wieder langsam hell. Vorne im Führerhaus erzählte man, dass wir in Frankreich wären. Dann rief Thomas bei der Chefin von HpiN an. Es war so gegen 06.00 Uhr – also eigentlich noch vorm Aufstehen. Naja, wir hatten ja auch noch etwas Zeit zum Schlafen. Thomas sagte am Telefon, dass wir so gegen 11.00 Uhr in Bad Wimpfen ankommen würden. Also noch 5 Stunden Ruhe vor dem „Sturm“.

Mit „Sturm“ bezeichne ich die Ankunft in Bad Wimpfen. Hier warteten diverse Frauchen mit Hundeleinen bewaffnet, die erst einmal eine Runde Gassi mit uns gingen. Endlich konnten wir uns erleichtern. Man mag es nicht glauben, aber alles lief wie am Schnürchen. So als hätte irgendwer das Ganze bis aufs i-Tüpfelchen geplant. Nach der Gassirunde wurden diejenigen von uns die doch ein klein wenig unter sich gemacht hatten gesäubert. Schließlich sollten unsere künftigen Frauchen und Herrchen keinen Schock bekommen. Ein Teil von uns Neuankömmlingen wurde hier von unseren künftigen Hundeeltern abgeholt – die Übrigen fuhren mit Thomas, Nicole und noch jemand, dessen Namen ich leider nicht mehr weiß, weiter in Richtung Lüneburg. Auf dem Weg nach Lüneburg wurden wohl noch auf 2 Stationen Hunde „abgeladen“. Erst spät am Abend kam das Auto von HpiN in Lüneburg an. Alle waren wohlbehalten.
Während der Wagen noch in Richtung Lüneburg unterwegs war hatten Teddy und ich es uns im Zimmer bei der Chefin von HpiN gemütlich gemacht. Herrchen lag schon im Bett und schlief als wir zu ihm rauf kamen. Ich weiß gar nicht, wie jemand so lange schlafen kann. Aber egal; das hat sich inzwischen wieder eingependelt. Dafür haben Teddy und ich schon gesorgt. Irgendwie ist unsere Blase zu klein und wir müssen nachts meistens raus. Da wir die Tür noch nicht allein öffnen können müssen wir immer Bescheid sagen. Das übernimmt meist Teddy mit seinen riesen Pranken. Der „zertrümmert“ immer die Tür sagt Frauchen.

Nächsten Morgen nach dem Frühstück gingen wir eine große Gassirunde. Warum wir so eine komische Schnur am Halsband hatten war mir noch nicht so klar. Weiß nicht was das soll, aber inzwischen macht es mir nichts mehr aus. Im Gegenteil; ich fühle mich dadurch sogar sicherer als ohne Leine. Schließlich ist Frauchen oder Herrchen am anderen Ende der Leine und helfen mir im Notfall. Nach der Gassirunde packten beide ihre Sachen in unser Auto und nach der Verabschiedung von der Chefin fuhren wir in einem nun wesentlich kleineren Auto in unser neues Zuhause. Das dauerte so etwa 5 Stunden. Zwischendurch hielten wir mehrfach an und Teddy und ich mussten aussteigen und wieder an der Leine laufen; warum auch immer. Irgendwie hörte ich immer das Wort „Gassi“ und „Pinkeln“ oder andere Laute die wir nicht einordnen konnten. Schließlich konnten wir ja noch kein Wort Deutsch.

Als es richtig finster war kamen wir dann endlich zuhause an. Wieder diese blöden Leinen und Laufen im Dunkeln, ohne zu wissen wo wir eigentlich waren. Keine Laterne oder etwas Licht so dass ich das schöne grüne Gras hätte sehen können in dem ich mich sogleich herumwälzte. Teddy lachte nur über mich. Klar; ihm war´s egal ob die Sonne oder der Mond scheint. Dann endlich durften wir ins Haus. Vorne am Haus ist eine Veranda wie man sagt. Dort steht ein ganz tolles Sofa mit vielen vielen Kissen. So etwas Tolles habe ich noch nie gesehen und beschlossen, dass es von nun ab mein Sofa ist. Zum Glück hat auch keiner was dagegen. Nicht einmal Teddy legt Wert darauf. Ab und zu legt er sich mal zu mir oder spielt mit mir darauf – aber ansonsten kann ich sagen, ich habe mein Sofa gefunden. Ich wünsche allen anderen Vierbeinern dasselbe Glück das wir beide hatten. drunk


Das übrigens sind wir beide!!! Inzwischen passt Teddy nicht mehr mit in mein Körbchen smile

Liebe Grüße aus dem Spreewald



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